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Was hat die Pandemie mit den Menschen gemacht?

|   Covid19

Eine qualitative Studie der Diakonie zum Lebensgefühl in Coronazeiten

Gestern wurde in Berlin die Studie „Lebensgefühl Corona“ vorgestellt, die untersucht hat, wie unterschiedlich die Menschen in Deutschland mit der Pandemie umgegangen sind. Das Lebensgefühl der Menschen während der Corona-Krise ist höchst ambivalent – einfache Antworten reichen nicht mehr aus. Dies ist ein Ergebnis der qualitativen Langzeitstudie, mit der Kirche und Diakonie über ein Jahr die psychosozialen Folgen der Pandemie erforscht haben, um wirksame Beratungs- und Hilfsangebote entwickeln zu können.

In der Pressemeldung ist zu lesen:

Ein weiteres Ergebnis der Studie sind acht verschiedene Corona-Typen in der Gesellschaft. Mithilfe des neuen Online-Selbsttests „Pandem-O-Mat“ kann man ab sofort herausfinden, welchem dieser Typen man entspricht: www.pandemomat.de . Zu den Typen gehören: Die Achtsamen, die Ausgebrannten, die Denker:innen, die Empörten, die Erschöpften, die Genügsamen, die Mitmacher:innen und die Zuversichtlichen.

„Lebensgefühl Corona“ ist eine Studie der Evangelischen Zukunftswerkstatt „midi“, der Diakonie Deutschland, des größten christlichen Gesundheitsunternehmens AGAPLESION gAG, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Markforschungsinstituts LIMEST.

Über ein Jahr hinweg wurden 50 Menschen aus einem Querschnitt der Bevölkerung dazu befragt, wie sie den Alltag in der Corona-Pandemie erleben, was ihnen in der Krise Halt und Orientierung verleiht und inwieweit Kirche und Diakonie dabei unterstützen. „Dadurch liegt erstmals im deutschsprachigen Raum eine Langzeitstudie vor, die einen unverstellten Blick auf das Lebensgefühl der Menschen in allen Phasen der Pandemie ermöglicht“, so der midi-Studienleiter Daniel Hörsch.

Die Studie hat auch untersucht, welche Rolle Kirche und Diakonie während der Pandemie für die Menschen gespielt haben. „Kategorien wie bei den Corona-Typen sind zwangsläufig immer etwas zugespitzt. Es ist aber das große Verdienst der Studie, dass sie die Zwiespältigkeiten im Erleben der Pandemie aufzeigt. Nur wer zu einer differenzierten Wahrnehmung fähig ist, kann wirksam helfen. Die materiellen und die psychosozialen Folgen von Corona werden unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen.

Damit Einrichtungen von Diakonie, Kirche und anderen Wohlfahrtsträgern hier wirksam ihre Arbeit machen können, braucht es aber mehr als besseres Verstehen. Wir brauchen nun verlässliche und flächendeckende Beratung und Angebote, besonders für die, die schon vorher nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen wie insbesondere die knapp drei Millionen Kinder in relativ armen Haushalten. Nicht nur für sie muss die Politik durch eine solide Finanzierung der Beratungsangebote nun die Basis für nachholende Chancen- und Befähigungsgerechtigkeit legen“, so Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland. „Andernfalls drohen dieser Gesellschaft nach Corona Jahrgänge von Coronaverlierer:innen.“

Die AGAPLESION gAG als größtes christliches Gesundheitsunternehmen war von Anfang an begeistert von der Studie und finanzierte diese mit. „Unsere Beteiligung macht deutlich, dass wir die Bedürfnisse unserer Patient:innen bzw. Bewohner:innen sehr ernst nehmen. Das gilt gerade in Zeiten wie diesen. Wir behandeln und begleiten die Menschen ganzheitlich und individuell. Deshalb müssen wir wissen, was sie bewegt. Das geht weit über körperliche Befindlichkeiten hinaus und schließt die sozialen Bezüge, aber auch das seelische Wohlbefinden mit ein. Die Angst vor der Ansteckung hat die Beziehung zwischen uns als Gesundheitsdienstleister und unseren Kund:innen bisweilen stark belastet. Zudem hat uns die Pandemie deutlich vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind. Die Studie hilft uns herauszufinden, ob diakonische Dienstleister die richtige Hilfe bieten und die richtigen Antworten geben können. Diese Fragen müssen wir klar beantworten können“, erklärt Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender der AGAPLESION gAG.

Oberkirchenrat Dr. Johannes Wischmeyer, Referent für Studien- und Reformfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland und zukünftiger Leiter der Abteilung „Kirchliche Handlungsfelder“ hat die Ergebnisse der Studie aus Sicht der verfassten Kirche analysiert: „Wie jede andere Organisation müssen die evangelischen Kirchen Notfallpläne für eine rasche Reaktion auf lokale, regionale und allgemeine Krisenlagen erarbeiten.“

Denn nur, wenn das in der Krise Gelernte bald und nachhaltig in eine veränderte kirchliche Praxis einfließe, würde sich auch das allgemeine Mindset der Kirche als Organisation ändern. „Der Befund der Studie ruft deutlich dazu auf: In erster Linie ist mehr Mut gefragt, sich der Kernkompetenz im Verkündigungsdienst zu bedienen: der theologischen Gesprächsfähigkeit“, so Wischmeyer.

Der praktische Theologe Prof. Dr. Christian Albrecht von der Ludwig-Maximilians-Universität München kommt zu dem Schluss: „Die Erwartungen an die Kirche sind kleinformatiger, auch bescheidener und vor allem stärker auf Alltagsbedürfnisse gerichtet als die Kirche oft annimmt. Menschen fragen unvoreingenommen, was ihnen die kirchlichen Angebote bringen – genau jetzt und ganz konkret. Gleichzeitig sind viele Menschen bereit, ebenso konkret und projektförmig das in die Kirche einzubringen, was sie für nützlich erachten.“

 

Kontakte:

Kathrin Klinkusch, Pressesprecherin Diakonie Deutschland, Telefon: 030 65211 1780, pressestelle@diakonie.de

Louisa Winkler, Referentin für Kommunikation midi, Telefon: 030 65211 1567, louisa.winkler@mi-di.de

Sebastian Wenz, Leiter Unternehmenskommunikation AGAPLESION gAG, mobil +151 53 66 96 49, sebastian.wenz@agaplesion.de

Annika Lukas, Pressesprecherin EKD, Telefon: +49 511 2796-264, presse@ekd.de

Claudia Russo, Pressesprecherin LMU, Telefon: +49 8921803423, presse@lmu.de