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Welt-Alzheimertag 2020

Bewegen, Aktivieren, Anregen, Begleiten und Unterstützen

Das Gesundheits- und Pflegesystem baut in Deutschland größtenteils auf die Unterstützung durch die Familie und freiwillig engagierter Menschen auf. „Die vielfältige und phantasievolle Arbeit der vielen Angehörigen und freiwillig engagierten Menschen ist außerordentlich wichtig für die Teilhabe von Menschen mit Demenz. Sie leisten täglich systemrelevante Arbeit“, sagt Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, zum Welt-Alzheimertag am 21. September. Gemeinsam mit der Bildungsakademie des Landessportbundes e.V. weist die Diakonie Hessen dieses Jahr mit einer Plakat- und Social Media-Aktion auf die Leistung zahlreicher Unterstützer*innen von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen hin. Zu Wort kommen Angehörige und freiwillig Engagierte, die beschreiben, was sie antreibt.

Das Plakat können Sie hier downloaden.

Sie sind 16 von hunderten aktiven Spendern von Freude! Für Menschen mit Demenz sind sie deshalb "systemrelevant".

 

Hartmut Müller, Diakonisches Werk Region Kassel

Menschen mit Demenz hören gerne alte Lieder und singen oft gerne mit. Schön sind immer die Polonaisen, vor allem beim Karneval

Herr Müller liebt es, andere musikalisch zu unterhalten. Seit 2013 singt er für alte Menschen und begeistert sie mit seinem Können. Er hat durch seine Auftritte gelernt, dass Menschen mit Demenz sehr gerne alte, ihnen bekannte Lieder hören und diese auch mitsingen. Besonders Spaß machen ihm und ihnen die Polonaisen, vor allem beim Karneval.

Elfriede Heck, Eppstein, "Gesundheit für Alle", Kelkheimer Verein für Bewegungstherapie und Herzsport e.V.

Schon der Anblick der bunten Farben bringt Fröhlichkeit - in der moment! Gruppe wird Körper, Geist und Seele angesprochen

Frau Heck leitet seit 5 Jahren eine moment!-Gruppe in Kelkheim. Bei dem motorischen und mentalen Training setzt sie, neben ihrem Lieblingsgerät dem Schwungtuch, gerne bunte Bälle und Luftballons ein. Mit diesen und entsprechenden Liedern regt sie Menschen an sich zu bewegen. Schon der Anblick der bunten Farben bringt Fröhlichkeit in die Gruppe - Körper, Geist und Seele werden angesprochen.

Annemarie Bohn, Diakonisches Werk Marburg-Biedenkopf, Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf e.V.

Menschen mit Demenz sind so wie Du und ich! Keine Ausgrenzung in der Gesellschaft, sondern ein Miteinander im Alltag.

Frau Bohn engagiert sich seit mehr als 10 Jahren in der Arbeit für Menschen mit Demenz bei der Alzheimer Gesellschaft Marburg-Biedenkopf. Ihren Umgang mit Menschen mit Demenz prägt die Einstellung: Es sind Menschen wie Du und Ich! Sie möchte keine Ausgrenzung in der Gesellschaft, sondern ein Miteinander im alltäglichen Umgang.

Frau Bohn ist jedes Mal begeistert, wie schlagfertig Menschen mit Demenz sind. Sehr gerne gibt sie das, was sie in diesen Begegnungen lernt an andere weiter. Sie ist dankbar dafür und teilt mit ihnen die Freude etwas zu unternehmen. Gemeinsam zu Singen, Geschichten zu hören und einfach die Menschen anzusehen und zu sehen, wie sie zurück lächeln.
Tanzen und Bewegungen zur Musik macht den meisten Menschen Freude, sagt sie. Dabei ist es ihr wichtig, noch vorhandene Fähigkeiten zu stärken. Es sei eine sinnvolle Tätigkeit, bei der in den Begegnungen für sie unwichtige Probleme verblassen. Spaß macht es außerdem. Die Zeit die sie miteinander verbringen, macht dieser engagierten Frau Hoffnung, dass wenn sie mal alt und dement werden sollte, es auch Menschen gibt, die mit ihr Zeit verbringen und gemeinsam Spaß haben. Sie sieht sich als eine Art „Brückenbauerin“, die mit passgenauen Angeboten eine Brücke zwischen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufbaut. Sie gibt Ihre Erfahrung weiter, und möchte damit in der Gesellschaft behilflich sein, ein kleines Stück der Lebensqualität zu verbessern.

Frau M., Diakonisches Werk Main-Taunus

"Ich möchte Menschen nicht, wie in unserer Gesellschaft oft üblich, nur nach ihren Leistungen beurteilen."

Frau M. bietet seit einigen Jahren mit einer weiteren freiwillig Engagierten eine moment!-Gruppe an. Sie möchte Menschen nicht, wie in unserer Gesellschaft oft üblich, nur nach ihren Leistungen beurteilen. In der moment!-Gruppe erfährt sie, wie positiv sich Wertschätzung und Annerkennung auf das Erleben der Gruppenmitglieder auswirkt. Im Kontakt mit Älteren erlebt sie, wie diese sich freuen, wenn sie etwas für sie tun können. Nach einem Gruppenerlebnis sind die Mitglieder froher als vorher und gehen mit anderen Gedanken und Gefühlen nach Hause.

Anna Weckert, Turngemeinde Schwalbach 1887 e.V.

"Es erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, Menschen durch Bewegung, Freude und Spaß ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern."

Frau Weckert leitet seit 7 Jahren eine Betreuungsgruppe. Sie freut sich besonders, wenn sie die Gäste zum lachen bringen kann und sie froh gelaunt nach Hause gehen. Für besonders wichtig sind ihrer Erfahrung nach die Rituale in einer Gruppe, weil sie Menschen mit Demenz Sicherheit vermitteln.

Gloria Klepper, Diakonisches Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau

"Toleranz und Akzeptanz: Ich möchte jedem eine gute Zeit gestalten."

Frau Klepper engagiert sich seit Anfang 2017 für Menschen mit Demenz. Mit ihr gemeinsam genießen die Menschen ihrer Betreuungsgruppe besonders das Singen. Sie nimmt jeden, wie er ist und hält Toleranz und Akzeptanz für wichtige Grundhaltungen bei der Arbeit mit Menschen mit Demenz. Kern eines Engagement ist für sie, dass es von Menschen mit Empathie und Herz betrieben wird.

Ilona Kaut, HSV-Götzenhain, Gymnastik/Fit bis ins hohe Alter

"Am liebsten spielen wir in der moment!-Gruppe mit Bällen und hören Schlager, was vielen Freude bereitet und ein Lächeln zaubert."

Frau Kaut ist seit 20 Jahren in Kontakt mit Menschen mit Demenz. Diese Begegnungen möchte sie nicht mehr missen und sie freut sich daran, wenn  i h r e  Betreuungsgruppe auflebt durch das muntere Spielen mit Bällen, durch alte Schlager hören und auch mal eine spontane Tanzeinlage.

Hildegard Hofmann, Diakonisches Werk Odenwald

"Die Begegnung mit Menschen gibt mir die Gewissheit, in meiner Freizeit etwas Sinnvolles zu tun."

Für Frau Hofmann bedeutet der Umgang mit Menschen in der „Miteinander – Gruppe“, dass die Menschen schöne Stunden verbringen können und eine Abwechslung vom Alltag haben. Besonders viel Freude machen ihr dabei Gesellschaftsspiele - dabei wird viel gelacht. Seit 12 Jahren engagiert sie sich in dieser Form. Sie hat gelernt, im Umgang mit Menschen flexibel zu sein und immer gute Laune zu haben. Die Begegnungen geben ihr die Gewissheit, in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles zu tun.

Monika Flick, Diakonisches Werk Odenwald

"Es macht mir Freude mit Menschen mit Demenz unbeschwerte Stunden zu verbringen."

Für Frau Flick ist es wichtig mit ihrem Enagement dazu beizutragen, dass die Menschen ein paar unbeschwerte Stunden verbringen können. Sie erlebt, das Menschen mit Demenz trotz ihrer Einschränkungen viel Freude an diesen Nachmittagen haben und gerne lachen. Das gemeinsame - Mensch ärger dich nicht – spielen ist dabei der Favorit. Sie ist zufrieden, wenn die Gäste einen schönen Nachmittag verleben können.

Sabine Cekalla, Michelstadt, Diakonisches Werk Odenwald

"Durch Zureden, kleine Handmassagen … da lachte sie mit mir. Es hat mich sehr gefreut eine Reaktion, ein Gefühl zu sehen."

Frau Cekalla hat in ihren Begegnungen mit alten Menschen erlebt, wie wichtig es ist mit den Menschen zu sprechen, auch wenn diese sprachlos erscheinen. Kleine Geschichten, Berührungen durch Handmassagen können Türen öffnen „…da lachte sie sogar mit mir. Das hat mich sehr gefreut eine Reaktion und Gefühl zu sehen.“ Auf dem Nachhauseweg geht dann noch so manches durch den Kopf. Die erlebten Gefühle wechseln dabei von Freude zu Traurigkeit und regen zum Nachdenken an.

Ursula Tunn, Diakonisches Werk Odenwald

"Ich habe gelernt sensibel dafür zu sein, Menschen da abzuholen, wo sie stehen."

Frau Tunn engagiert sich schon sehr viele Jahre freiwillig. Für sie steht die Begegnung im Vordergrund. Es ist ihr eine Freude zu erleben, wie viel Spaß z.B. die Tisch- Ballspiele den Menschen machen. Bei ihrem Aktivierungsangebot ist es ihr wichtig, die Menschen da abzuholen wo sie stehen, ohne jegliche Bewertung. So trägt sie dazu bei, ein paar unbeschwerte Stunden erleben zu können.  Ihr selbst gibt es ein gutes Gefühl, daran teilzuhaben, die Welt ein klein wenig schöner zu machen.

Waltraud Reuhl, Gießen

"Bewegung tut gut und geht immer! Spaß macht es außerdem."

Frau Reuhl betreut verschiedene Seniorenangebote. Dabei ist ihr besonders wichtig, dass Bewegung immer geht. Denn Menschen, die Einsschränkungen durch kognitive Beeinträchtigungen haben, verlieren nicht die Fähigkeit, sich bewegen zu können. In ihren Gruppen hat sie die Erfahrung gemacht, dass alle voneinander lernen. Ihr ist es darum wichtig, dass Bewegung in den moment!- Gruppenangeboten und bei den Seniorentreffs allen Spaß machen soll.

Johanna Abel und Kerstin Akinbola, Diakonisches Werk Darmstadt - Dieburg und Alzheimer Gesellschaft Darmstadt-Dieburg e.V.

"Sorgen und Nöte mit ebenso betroffenen teilen können, kann Kraft geben."

Frau Abel hat bis zu seinem Tod 2018 ihren an Demenz leidenden Ehemann gepflegt. Die Situation pflegender Angehöriger ist ihr deshalb so wichtig, dass sie sich als Vorstand in die neu gegründete Alzheimergesellschaft Darmstadt-Dieburg wählen ließ und einen Gesprächskreis für Angehörige organisierte. Diese Idee trägt sie mittlerweile auch in weitere Kommunen im Landkreis. Besonders berühren sie die Reaktionen von Menschen mit Demenz im Pflegeheim, wenn sie deren Erinnerungen als Vorleserin alter Märchen wecken kann.

"Ich glaube, dass der innere Instinkt, das Gespür dabei unter anderen Seelen sein zu können, vorhanden ist."

Frau Akinbola engagiert sich seit 2018 mit 4 weiteren Freiwilligen im Café Domino, dem Betreuungsangebot des Mehrgenerationenhauses Groß Zimmern. Sie bedauert die gegenwärtigen Coronabedingten Kontakteinschränkungen sehr, weil Menschen mit Demenz nicht verstehen können, warum nicht mehr gesungen, gespielt und persönliche Nähe möglich sind. Auch sie ist eine Vorleserin und glaubt an einen inneren Instinkt bei Menschen mit Demenz, der es ihnen ermöglicht, mehr wahrnehmen als wir an ihnen beobachten mögen.

Katharina Schramm und Roswitha Rudolph, Diakonisches Werk Region Kassel

"Die Menschen haben Freude bei unseren Treffen und wir können damit die Angehörigen entlasten."

Frau Rudolph hat durch die Unterstützung bei der Pflege ihrer alzheimerkranken Mutter erlebt, wie gut Unterstützung tut. Deshalb engagiert sie sich schon seit 11 Jahren ehrenamtlich, um etwas von dieser Erfahrung an Menschen mit Demenz weiterzugeben. Frau Rudolph und Frau Schramm organisieren mit sechs weiteren Freiwillig Engagierten  ein Betreuungsangebot, eine Angehörige hat sie schon als „die Engel vom Café Zeitlos“ bezeichnet. Einmal pro Woche entlasten sie gemeinsam Angehörige und bieten Menschen mit Demenz einen attraktiven Nachmittag mit Anregung, Aktivierung und Spaß.

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