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Diskussionsprozess zum Umgang mit dem Recht auf assistierten Suizid

Das Bundesverfassungsgericht  erklärt im Februar 2020 den § 217 StGB als ungültig. Es leitet sein Urteil aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ab (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG). Dieses umfasst nach Ansicht des BVerfG auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Der nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB begonnene parlamentarische Prozess zur Findung einer gesetzlichen Regelung wird durch eine breite zivilgesellschaftliche Debatte begleitet, die auch Positionierungen der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie erfordern. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich am 12. Juni 2020 in einer Stellungnahme zu einer Anfrage des Bundesgesundheitsministers zur Regulierung der Suizidassistenz im Anschluss an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu § 217 StGB geäußert. Davon abweichend gibt es verschiedene profilierte Einzelmeinungen.
Die Diakonie Deutschland hat im Jahr 2020 einen innerverbandlichen Diskussionsprozess eingeleitet. Das Papier »Selbstbestimmung und Lebensschutz: Ambivalenzen im Umgang mit assistiertem Suizid« wird derzeit im Verband diskutiert.
Durch einen Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) mit der Überschrift »Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen« am 11. Januar 2021 ist die innerevangelische
und -diakonische Debatte nun voll entfacht. Der Vorsitzende der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD, Prof. Dr. Reiner Anselm, die praktische Theologin Prof. Dr. Isolde Karle sowie Ulrich Lilie, der Präsident der Diakonie Deutschland, haben einen Meinungsbeitrag geleistet. An dem Diskussionsprozess, der zu dem Beitrag führte, hatten sich auch Landesbischof Ralf Meister (Hannover), EKD-Ratsmitglied Prof. Dr. Jacob Joussen sowie der Palliativmediziner Prof. Dr. med. Friedemann Nauck beteiligt und den Artikel als Mitautoren mitgezeichnet. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, der selbst über langjährige Erfahrung als Klinik- und Hospizseelsorger verfügt, unterstreicht die Notwendigkeit, dass über die wichtige ethische Frage des assistierten Suizids eine offene Debatte geführt werden müsse. »Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts erfordert von uns, bisherige Positionen zu überdenken«, sagt Lilie. »Man kann in der ethisch schwierigen Frage des assistierten Suizids zu unterschiedlichen Urteilen kommen. Die Auffassung unseres Autorenteams ist eine von mehreren denkbaren Positionen.« Die Diskussionen über mögliche Suizidassistenz in kirchlichen Einrichtungen wurden vom Evangelischen Pressedienst (epd) dokumentiert (epd Dokumentation 7/2021 vom 16. Februar 2021).

Informationen der Diakonie Deutschland finden sie unter diesem Link

Folgende Veranstaltungen bietet die Diakonie Deutschland zur Meinungsbidung in den kommenden Monaten an:

 

Evangelische Akademie in Frankfurt: Vorstellung der Gesetzentwürfe zur Neuregelung des § 217 StGB

Wer die Veranstaltungen der Evangelischen Akademie in Frankfurt zur Vorstellung der Gesetzentwürfe zur Neuregelung des § 217 StGB verpasst hat, kann sie sich im Internet auf der YouTube-Seite der Evangelischen Akademie anschauen:

Hinweise zu Veranstaltungen

07.06.2021, 18.00 - 19.30 Uhr
digital, Anmeldungen über Diakonie Deutschland, Berlin
14.06.2021, 18.00 - 19.30 Uhr
digital per Zoom, Anmeldung über Diakonie Deutschland, Berlin

Jetzt online: Vorträge des digitalen Hospiztages 2021 zum Thema "Recht auf Sterben"

Vier Videos des Digitalen Hospiztagung 2021 sind nun fertig bearbeitet und wurden in das Archiv der Evangelischen Akademie Frankfurt eingestellt.

Zum einen die beiden Vormittagsbeiträge (der Beitrag von Prof. Verrel mit anschließender Aussprache), zum anderen die Ausschnitte aus den beiden Workshops von Prof. Salomon und Frau Dr. Kremeike. Die Workshops wurden entsprechend der Vorgaben der Workshopleiter/in erstellt, damit hier nur die Vortragsteile, nicht aber die internen Aussprachen im Workshop zu sehen sind.

Link zur Mediathek: https://www.evangelische-akademie.de/mediathek/medien/?event=1019

Neue Broschüre (Für)Sorge am Lebensende

"(Für)Sorge am Lebensende" ist die Nachfolgehandreichung von »Mit Sterbenden leben – achtsam sein«, die wir 2015 herausgegeben hatten. Die Nachfrage danach war so groß, dass wir diese mehrfach neu aufgelegt haben. Nachdem nun aber im Februar 2020 das Bundesverfassungsgericht den § 217 im StGB für nichtig erklärt hat und damit die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung nicht mehr unter Strafe steht, waren einzelne Beiträge dieser Publikation überholt. Die ethischen Diskussionen heute sind andere. In innerevangelischen und -diakonischen Diskussionen steht augenblicklich die Frage im Vordergrund, wie wir uns verhalten, wenn der Wunsch nach assistiertem Suizid an uns gerichtet würde. Aus diesem Grund haben wir uns nun dazu entschlossen, eine neue Publikation zu dem Thema »hospizliche Begleitung und palliative Versorgung« zu veröffentlichen. Die Handreichung soll dazu dienen, einen Überblick über die Vielfalt in der hospizlichen Begleitung und palliativen Versorgung zu bekommen.

 

 

Orientierungshilfen - Leitsätze - Stellungnahmen